Virtueller Rundgang durch Museen in Deutschland

Weltweit sind Museen wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Viele präsentieren aber online ihre Werke. Sie können bei virtuellen Rundgängen erkundet werden. Wir stellen lohnenswerte Beispiele vor – von Frankfurt bis Berlin.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Nächstes Mal. Ganz bestimmt. Es kommt immer wieder etwas dazwischen. Keine Zeit. Keine Gelegenheit. Keinen Urlaubstag mehr. Es gibt so viele großartige Museen hierzulande, und jedes begeistert seine Besucher auf einzigartige Weise.

Doch die meisten Reisenden schaffen es normalerweise höchstens für die großen Blockbuster-Ausstellungen einen Städtemuseumstrip zu buchen. Obwohl so viele Museen auf den To-Do-Listen der Reisefreudigen stehen, bleibt es allzu oft beim guten Willen. Nun gibt es neue Wege, die To-Do-Liste ganz bequem abzuarbeiten.

Mehr als 6800 Museen gibt es in Deutschland, mit rund 114 Millionen Besuchern pro Jahr. Und jetzt, da sie geschlossen sind, werden Museen schmerzhaft vermisst. Doch: Immer mehr Häuser digitalisieren schon seit Längerem ihre Bestände und machen sie peu à peu virtuell zugänglich.

Die Corona-Pandemie beschleunigt den Trend: Viele Museumsdirektoren reagieren flexibel, ermöglichen neue Online-Rundgänge oder präsentieren einzelne Ausstellungsstücke im Netz. Schlendern und staunen vom Wohnzimmer aus.

Auf ihren Webseiten kommunizieren die Museen ihre Angebote, auch auf YouTube, Twitter und Instagram lassen sich die digitalen Rundgänge finden, oft verschlagwortet mit #MuseumFromHome oder #ClosedbutOpen – geschlossen, aber geöffnet. Es lohnt sich also, die Museen mit neuem Blick zu entdecken. Die zehn ambitioniertesten virtuellen Gratis-Vernissagen in Deutschland stellen wir hier vor.

Frankfurt: Großes Kino bei Schirn und Städel

Nun stellt sich glücklicherweise heraus: Die Schirn zeigt die Ausstellung tatsächlich digital, mit Bildern, Geschichten und Zitaten von Frida Kahlo, Meret Oppenheim, Claude Cahun und Leonora Carrington. Es gibt auch einen Videorundgang, Podcasts als „Kunst für die Ohren“ sowie wissensreiche „Schirn Shortcuts“, in denen Werke als dreiminütige Kunsthäppchen serviert werden (schirn.de/besuch/).

Einen virtuellen Sprung weiter geht es ins nahe gelegene Frankfurter Städel-Museum, das als Pionier der Digitalisierung gilt. Dort gibt es die digitale, gut kuratierte Sammlung aus 700 Jahren Kunstgeschichte und einen Online-Kurs zur Kunst von 1750 bis heute.

Spannend: Die fünfteilige Podcast-Serie „Finding van Gogh“ begibt sich auf die Suche nach dem letzten großen Porträt von Vincent van Gogh, dem „Bildnis des Dr. Gachet“, das seit drei Jahrzehnten aus der Öffentlichkeit verschwunden ist (staedelmuseum.de, dann „Digital“ anklicken).

Es gibt sogar eine virtuelle Zeitreise durchs Museum, bequem auf dem Desktop, Tablet oder auch auf dem Smartphone mit der kostenlosen App für die Virtual-Reality-Brille Samsung Gear VR. Damit lässt sich durch die rekonstruierten Museumsräume von 1878 am Schaumainkai schlendern (zeitreise.staedelmuseum.de).

München: Rundreisen im Deutschen Museum

Hier kann man Tage, ach was, Wochen verbringen, und fühlt sich von Minute zu Minute schlauer. Das Deutsche Museum in München und seine Standorte auf der Flugwerft Schleißheim und Bonn sind digital „immer offen“, heißt es auf seiner Webseite.

Das virtuelle Angebot ist unfassbar vielfältig. In einstündigen Videos „Wissenschaft für jedermann“ gibt es aktuelle Themen aus Naturwissenschaft und Technik – wie etwa „Die diskrete Mathematik der Demokratie“ oder auch „Superfood aus dem 3-D-Drucker“.

Zu sehen sind virtuelle Rundgänge durch Schifffahrt, Luftfahrt, Raumfahrt mit 360-Grad-Fotografien. Geboten werden Rundreisen durch das All und nebenbei noch Lektionen über Kopernikus, Galilei, Kepler bis hin zu Erdsatelliten. Die kostenlose App mit Wissenschafts-Häppchen hat bereits 100.000 Downloads.

Auch Vorführungen gehen digital: etwa Blitze-Shows und Experimente mit Stickstoff; und im Podcast als „Museum zum Hören“ gibt es Beiträge mit Einblicken hinter die Kulissen der Forschung zu Objekten und Ausstellungen im Deutschen Museum – von Kryptologie bis Teilchenphysik. Besonders beliebt: eine virtuelle Spazierfahrt auf dem Mond (deutsches-museum.de, dort auf „digitale Angebote“ klicken).

Essen: Van Gogh im Folkwang Museum

Gerade haben Deutschlands Kunstkritiker das Folkwang Museum in Essen zum „Museum des Jahres“ gewählt. Die deutsche Abteilung des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA begründete die Entscheidung damit, dass das Haus immer wieder seine bedeutende Sammlung mit Werken von Paul Cézanne, Gustave Courbet, Max Beckmann oder auch Otto Dix „mit thematisch aktuellen Sonderausstellungen“ verbindet.

Das Museum Folkwang baut seine digitale Präsenz aus, hat eine eigene App gestartet und die Partnerschaft mit der kostenlosen Kulturplattform Google Art Project ausgebaut.

Die virtuelle Ausstellung „Vincent van Gogh ganz nah“ zeigt eine seiner Ikonen: Bestehend aus über einer Milliarde Pixel erlaubt die digitale Version von van Goghs „Rhonebarken“ das Heranzoomen bis in die kleinsten Details des Gemäldes. Mit der Zoom-Funktion kann man auch die kleinsten Pinselstriche des Genies erkennen (museum-folkwang.de sowie über artsandculture.google.com).

Berlin: Nofretete und T-Rex Tristan im Museum

Die Büste der Nofretete, Schliemanns Troja-Sammlung, Édouard Manets „Wintergarten“ oder auch Auguste Rodins „Der Denker“ gehören zu den Publikumslieblingen. Normalerweise lockt die Museumsinsel mit ihren Sammlungen im Alten und Neuen Museum, in der Alten Nationalgalerie, in Pergamon- und Bode-Museum jährlich knapp drei Millionen Besucher aus aller Welt an.

Wer sich gerade grämt, die aktuelle grandiose Madonnen-Ausstellung von Raffael in der Gemäldegalerie nun zu versäumen, bekommt eine überraschende Gelegenheit, dies nachzuholen. „Auch während der aktuell notwendigen Schließung unserer Museen müssen Besucher nicht auf die Meisterwerke des großen Raffael verzichten“, sagt Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor von Gemäldegalerie und Skulpturensammlung. Zu Ehren des Meisters der italienischen Renaissance steht der Katalog „Raffael in Berlin“ auf der Website der Staatlichen Museen zum Download zur Verfügung – und das kostenlos (smb.museum).

Alle Häuser bieten inzwischen virtuelle Rundgänge an, ganz neu auch das Bode-Museum: 61 seiner Räume lassen sich erkunden dank 360-Grad-Panoramen (bode360.smb.museum).

Im Pergamonmuseum genießt man einen unverhofften 3-D-Blick auf den Saal mit dem Pergamonaltar, der wegen Sanierung noch bis 2023 geschlossen bleibt (3d.smb.museum/pergamonaltar).

Auch im nahe gelegenen Museum für Naturkunde in Berlin-Mitte lohnt ein virtueller Rundgang. Denn das besterhaltene Saurier-Skelett eines Tyrannosaurus Rex – mit seinem 1,50 Meter großen Kopf – kann man online noch bewundern, obwohl Tristan, wie der T-Rex getauft wurde, eigentlich verreist ist. Das Klappergestell wurde zerlegt und seine Knochen nach Kopenhagen ausgeliehen (museumfuernaturkunde.berlin).

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