HOMEOFFICE: KÖRPERLICH ABSENT UND DIGITAL PRÄSENT?

Wegen der Covid-19-Pandemie sind derzeit viele Menschen im Homeoffice tätig, doch dies bringt technische Probleme mit sich. Über die richtige Mediennutzung im Homeoffice.

Ein Beitrag von Prof. Manuela Pietraß, Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Medienbildung und Prof. Dieter Kranzlmüller, Leiter des Leibniz-Rechenzentrums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Wegen der Covid-19-Pandemie sind derzeit viele Menschen im Homeoffice tätig. Medien müssen nun dort eingesetzt werden, wo man sich sonst im Büro trifft, reist, seine Schüler und Studierenden von Angesicht zu Angesicht unterrichtet, Beratungs- und Dienstleistungen im direkten Gespräch erfüllt. Über die richtige Mediennutzung im Homeoffice.

Doch im Homeoffice ist man mit technischen Problemen konfrontiert: Die Ausstattung genügt oft nicht den verlangten Ansprüchen oder sie ist zu schwierig zu installieren, Leitungen können überlastet sein, Webseiten nicht zugänglich. Um die Folgen von „Corona“ so gering wie möglich zu halten, ist es wichtig, Ausfälle zu vermeiden und vom Homeoffice aus alles so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Dazu ist Folgendes wichtig:

1.) Es sollte eine so niedrigschwellige Technik wie möglich verwendet werden.
2.) Es sollte eine eins-zu-eins-Abbildung der bisherigen Präsenzkommunikation in Medienkommunikation vermieden werden.

Überlastungen vermeiden

Am Leibniz-Rechenzentrum, das IT-Dienstleister der Wissenschaft und Betreiber des Münchner Wissenschaftsnetzes ist, lässt sich veranschaulichen, welch großen zusätzlichen Aufwand die Verlegung des Präsenzbetriebs ins Homeoffice bedeutet: bereits in den ersten Tagen hatte das Institut der Bayerischen Akademie der Wissenschaften einen Anstieg von täglich 10 Videokonferenzen mit maximal 25 Teilnehmern auf täglich 150 Videokonferenzen mit bis zu 450 Teilnehmenden zu verzeichnen – und derzeit finden in Bayern keine Vorlesungen statt. Eine ähnliche Überlastung besteht auch Zuhause: Ein Internetanschluss ist heute in (nahezu) jedem Haushalt vorhanden. Doch selbst wenn man sich ohne eigenes Video in eine Audiokonferenz einwählt, sind 1 Mbit/s eine Minimalanforderung, die oft in der Realität nicht erreicht wird. Auch reicht die vorhandene Anbindung nicht aus, wenn mehrere Familienmitglieder zu Hause sind und den Anschluss gleichzeitig für unterschiedliche Anwendungen nützen, also Videokonferenz gleichzeitig mit Netflix?

Niederschwellige Technik verwenden

Die Folgen der technischen Überlastung sind daran spürbar, dass Verbindungen nicht zustande kommen, unterbrochen werden, oder es hapert an den technischen Voraussetzungen der Homeoffices der Kommunikationspartner. Um Abhilfe zu schaffen, wäre es wichtig, jeweils eine so niedrigschwellige Technik wie möglich zu verwenden. Ein solches Vorgehen ist auch aus medienpädagogischer Sicht sinnvoll, denn es ist nicht der beste Weg, die körperliche Absenz durch digitale Präsenz in Bild und Ton zeitgleich zu ersetzen.

Auch bei großer Realitätsnähe stellen Medien einen Unterschied zur unvermittelten Situation her, jedes Medium schafft Einschränkungen. So gehen z. B. bei einer als realitätsnah erscheinenden gestreamten Veranstaltung nonverbale Informationen verloren, was eine erhöhte Konzentration beim Zuhören verlangt. Insofern kann es auch didaktisch sinnvoller sein, die Dauer einer solchen Vorlesung stark zu verkürzen und mit angeleiteten Arbeitsaufgaben zu kombinieren oder, noch niedrigschwelliger, einen Text (Vorlesungsskript) zum Lesen zu geben, der anschließend anhand von Fragen durchgearbeitet wird – dies ist sogar per Mail möglich. Für regelmäßige Meetings mit Kollegen genügt eine Telefonkonferenz, man kennt sich und kann deswegen besser auf mimische und gestische Informationen verzichten, eine Online-Konferenz muss nicht angezielt werden. Es gilt also, so wenige Kommunikationskanäle wie möglich einzusetzen: Genügt der Ton? Genügen Ton und offline verwendeter PC? Genügen Ton und geteilter Bildschirm? Genügt eine Videokonferenz statt einer Reise? Eine klug eingesetzte technische Reduktion spart Ressourcen, erhöht den Zugang für alle und ist auch medienpädagogisch vertretbar.

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